30. April 2013, Fachhochschule St. Gallen. Kurt Weigelt, IHK-Direktor, begrüsst die Teilnehmenden zum Leuchtturm-Anlass des Institutes für Unternehmensführung und verweist auf die Gründung der Eglise Francaise in St. Gallen. Diese Kirche wurde von ‚Kaufmännern‘ als Reaktion auf die durch Flucht in die Schweiz gekommenen Hugenotten gegründet. Sie sollte Ort der Verbindung und Zentrum für die Neuankömmlinge sein. Die Eglise Francaise besteht noch heute. Für Weigelt ist sie Ausdruck von nachhaltigem Handeln, das auch von wirtschaftlich Tätigen ausgehen kann.

Mittlerweile hat sich wirtschaftliches Handeln mehr und mehr am Wert «Zeit ist Geld» orientiert und reizt diesen auf der Suche nach Profit mehr und mehr aus. Längst haben Maschinen die Arbeit dort übernommen, wo der Rhythmus global und im Sekundentakt 24 Stunden gehalten werden muss oder wo der Ausstoss eine Menge erreicht hat, wo Menschen ein zu grosses Risiko werden.

Das 21. Jahrhundert soll das Jahrhundert der Nachhaltigkeit werden, wenn es nach den Vereinten Nationen geht. Die Agenda 21 stellt alle Lebensbereiche ins Zentrum und will übermässigem Verschleiss von Ressourcen ein Ende bereiten.

Mit dem Leuchtturm vom 30. April ist das nachdenken über Nachhaltigkeit auch in St. Gallen etwas an die Oberfläche gekommen und hat ungewohnte Statements aus Wirtschaftskreisen zur Folge gehabt. Dass für die Erreichung von Nachhaltigkeit die Unternehmen genauso wie die Bildungseinrichtungen eine zentrale Rolle spielen, erscheint nachvollziehbar. Die Mittel, mit denen Nachhaltigkeit erreicht wird, sind jedoch in keiner Weise neu.

Es gilt, den Begriff „Leadership“ wieder damit zu füllen, dass eine Vorbildfunktion ursächlich damit verbunden ist. Führungspersonen, die mit Blick auf noch mehr Effizienz und Produktivität einfach den Druck erhöhen, werden in Zukunft noch mehr Mühe bekommen, ihre Ziele zu erreichen. Nicht, weil die Leute immer mehr verweichlichen, sondern weil die Leute immer mehr spüren, dass sie nur Mittel zum Zweck sind und keine Partner in der unternehmerischen Wertschöpfung und Zielerreichung.

Nachhaltigkeit beginnt im Bauch und in den Herzen der Menschen. Sie beginnt dort, wo es kribbelt, weil die eigene Leistung wichtig ist; sie beginnt dort, wo es einem warm und kalt werden kann und sich Perspektiven auftun, die dem eigenen Leben Sinn verleihen. Dann läuft auch das Hirn zur Höchstform auf und entwickelt und systematisiert, verwirft und entwirft, reflektiert und lernt.

Das 21. Jahrhundert kann ein unglaublich produktives Jahrhundert werden, weil Menschen sich als Teil der Probleme und als Träger von Lösungen wahrnehmen und zu handeln beginnen. Diese Produktivität betrifft nicht mehr einfach wirtschaftliches Handeln, sie betrifft sämtliche Lebensbereiche und sie wird geprägt von Werten wie Respekt, Beharrlichkeit und Lernbereitschaft.

Ein Anlass wie derjenige an der FHSG ist ein wertvoller Input und sollte zur Diskussion über eine nachhaltige Gesellschaft führen. Ende Mai findet in St. Gallen das schon fast traditionelle SUFO statt. Dort wird schon seit Jahren über Nachhaltigkeit diskutiert und dort wäre eine Wirtschaft, die sich offen und lernbereit präsentiert absolut am richtigen Ort.

Der erste Profit, den Märkte bieten, ist Lernen, der zweite Profit heisst Beziehung und erst dann folgt das Geschäft. Wer das will, für den bieten sich interessante Perspektiven. Selbstverständlich muss investiert werden. Zuerst Zeit, genug Zeit und dann Geld, angemessen Geld und dann verwandelt sich Zeit in Geld, das nachhaltig wirken kann. Wer Zeit mit Geld verwechselt, ist vielleicht ein Geschäftemacher, sicher jedoch kein Unternehmer. marktwärts – wohin sonst.