„Ein Blick auf Werbestrategien zeigt, dass sinnstiftende Imageprozesse das A und O eines Produktes, einer Dienstleistung oder eben eines Funktionsträgers sind. (- – -) Für den Aufbau von Sinn sind Geschichten und Anekdoten grundlegend.“
Frank Schäfer, Kommunales Change Management, 2. Auflage 2011
Es weihnachtet, Weihnachtszeit ist Geschichtenzeit. Diese Geschichten bestehen neben der bekannten Weihnachtsgeschichte (die es ursprünglich so gar nicht gibt) aus persönlichen Erlebnissen angereichert mit Bildern, Gerüchen, Geräuschen und Geschmäckern. Die Metamarke „Weihnachten“ ist das Dach für unzählige Angebote kommerzieller und nichtkommerzieller Natur. Daran kann auch die Loslösung vom religiösen Ursprung nichts ändern. Dabei war bei den Christen die Einführung von Weihnachten eine höchst umstrittene Angelegenheit. Neben Ostern wurde an und für sich kein anderes „Fest“ mehr für sinnvoll erachtet. Ein typische Fehleinschätzung von „Gelehrten“, welche schon damals die Macht von Geschichten und damit von Kommunikation falsch eingeschätzt haben. Viel später kamen dann die „Gelehrten“, die uns erklärten, dass Weihnachten so gar nicht stattgefunden habe, also gar nicht wahr sei. Der Glaube ans Christkind also unsinnig ist (so wie an den Weihnachtsmann, den Osterhasen, die objektive Wissenschaft und ähnliche Glaubensinhalte). So weit so gut.
Dabei ging und geht es immer „nur“ um Geschichten. Es geht um Geschichten, die uns als Einzelne und als Teil von übergeordneten Systemen (Familie, Unternehmen, Vereine etc.) „verorten“ und damit entscheidungs und handlungsfähig machen. Es gibt keine Organisation ohne Geschichten. Die kleinste Organisationseinheit sind wir selbst, und bereits wir erzählen uns Geschichten. Und diese unsere Geschichten erzählen wir weiter und finden Zustimmung, was unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit extrem beeinflusst oder wir erfahren Ablehnung, was wiederum unsere „Wirklichkeit“ beeinflusst. Alles, was uns geschieht, wird in Geschichten gegossen. Bis hin in unserer Träume.
Gute Geschichten treffen uns existentiell und bewirken etwas. Die Weihnachtsgeschichte ist eine gute Geschichte, die alljährlich dazu führt, dass Menschen sich ärgern, weil diese Geschichte ihre eigenen Geschichten entlarvt und in Frage stellt (Sogenannte Lebenslügengeschichten). Umgekehrt führt die Weihnachtsgeschichte Menschen zusammen, weil sie sich vom Gedanken der Hoffnung in hoffnungsloser Lage berühren lassen und davon, dass auch im Schwachen etwas Starkes entstehen kann. Es sind die uralten Themen von Leben und Tod, von Erfolg und Misserfolg, von Gut und Böse, die sich in jedem Leben abspielen und die dann, wenn sie auftauchen auffordern, sich aufzumachen, sich zu bewegen, sich zu verändern. Leben ist nichts anderes als kontinuierliches Change-Management. Die Weihnachtsgeschichte ist eine klassische Veränderungsgeschichte mit hohem Antriebspotential. „Licht im Dunkel“, „Ausweg aus auswegsloser Situation“. Geschlagen wird sie in diesem Bereich nur noch von der Ostergeschichte, weil dort „Unmögliches“ möglich wird. Der „Jöö-Effekt“ von Weihnachten ist leider immer noch stärker als der „Wow-Effekt“ von Ostern. Ein Indiz dafür, dass wir alle uns eigentlich gar nicht gerne verändern wollen (Darüber reden natürlich schon).
Weihnachten macht Sinn, weil es an uns alle Jahre wieder die Frage stellt, ob wir uns noch dafür einsetzen, dass die Welt etwas Positives erleben kann Als UnternehmerIn, als Selbständige/r, als Arbeitnehmerin, als Frau, als Mann – als Mensch.
Sie glauben nicht an Weihnachten? Sehr gut. Glauben sie doch einfach an sich selbst und daran, dass ihre Anwesenheit auf diesem Planeten das Leben ihrer Mitmenschen bereichern kann. Viel Freude bei den Geschichten, die sie dabei erleben! UND – lesen sie doch mal wieder die Weihnachtsgeschichten, einfach so, als Veränderungsgeschichten.
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