Die Entwicklungen in der Arbeitswelt machen deutlich, dass kontinuierliche Karrieren auch in Zukunft eher einem Wunschdenken entsprechen. Wer Kontinuität und Karriere mit stetigem Aufstieg in demselben Metier verbindet, wird sich mit Überraschungen beschäftigen müssen.
Eine Gesellschaft, die an sogenannter „Überalterung“ leidet, wird sich mit solchen Entwicklungen schwer tun. Die Generationen über fünfzig kennen noch langjährige Anstellungen mit Wechseln, die eine klare Verbesserung der Arbeit und des Einkommens mit sich brachten. Die über vierzigjährigen starteten ebenfalls noch mit grossen Karriereperspektiven in die Arbeitswelt. Zumindest war damals, ende der achtziger Jahre, immer noch die ungebremste Euphorie endlosen Wachstums zu spüren. Auch wenn Gedankengänge wie diejenigen des Club of Rome, eines Frederic Vesters (vernetztes Denken) oder eines Fritijof Capra (Wendezeit) am grenzenlosen Wachstums- und Konsumlebensstil zu knabbern begannen und damit nicht mehr nur Bildungseliten erreichten.
Die einschneidenden Brüche geschahen in den neunziger Jahren und setzten sich schon fast rhythmisch, kontradieffmässig ca. alle sechs Jahre fort. Schuldige wurden immer gefunden, von der Dotcom- bis zur Finanzindustrie. Dass bei allen Schuldigen, bei aller Gier ganz real eine Veränderung stattfand und stattfindet, die man schnell in der Schublade „Globalisierung“ versorgen kann, ist die bestimmende Realität. Herkömmliches Erwerbseinkommen in der Industrie via billige Massenbeschäftigung verschiebt sich ostwärts. Bei uns verbleibt noch eine Zeit lang eine Dienstleistungsindustrie, die sich jedoch bereits jetzt weltweit orientiert und auch so vernetzt ist. Arbeit muss bei uns aufgrund der Verschiebungen in den Bereichen Industrie und Dienstleistung neu bestimmt und organisiert werden. Gewinnerin der Veränderung ist die Bildungsindustrie, die immer mehr verfeinert wird und dafür sorgt, dass Arbeitnehmer gesuchte Qualifikationen gezielt erwerben können. Wer den festgelegten Anforderungen nicht genügt, gerät zunehmend an den gesellschaftlichen Rand. Arbeitswilligkeit alleine reicht immer weniger als Qualifikation, handwerkliches Geschick und praktische Intelligenz tragen zu wenig Karrierepotential in sich. Entwickelt hat sich ein Dienstleistungsstaat, der sich darum kümmern soll, wenn Entwicklungen Lebensentwürfe durcheinander bringen. Wirtschaft wird als bestimmender „Kosmos“ und Massstab genommen, an dem sich die Lebensvollzüge messen müssen. Die Unruhe wächst und das wird noch eine Weile so anhalten, ja – vielleicht der Normalzustand werden. Wer sich nur als Opfer eines unbeeinflussbaren Schicksals versteht, wird zunehmend Opfer werden.
Es wird Zeit für neue Sichtweisen und für Denkansätze, welche die Veränderung nicht nur als Gefährdung sondern auch als Chance zu deuten vermögen und daraus selbstunternehmerisch aktiv Möglichkeiten für das eigene Leben entwickeln. Es ist bereits viel mehr da, als man gemeinhin annimmt. marktwärts – wohin sonst?
Neueste Kommentare