Cluetrain These 4: Ob es darum geht, Informationen weiterzugeben oder Meinungen, zu streiten oder witzig zu sein – die Stimme des Menschen ist offen, natürlich, nicht aufgesetzt.

Auch in These 4 bewegt sich das Manifest ganz im Zentrum des Marktgeschehens. Das Menschenbild wird ein weiteres Mal geöffnet in Richtung umfassende Persönlichkeit. Das Bild scheint naiv und ist wohl bewusst so gehalten. Der Mensch ist mehr als Zielgruppe, ist mehr als Funktion. Der Mensch hat eine Meinung, er kann streiten, er kann witzig und noch viel mehr sein. Der Mensch ist Ursache und Wirkung des wirtschaftlichen Geschehens. Wirtschaft kann deshalb kaum so anders sein, als es uns via Medien oft aufgezeigt wird. Perfekte, leistungsfähige, flexible, effiziente, dynamische, intelligente Persönlichkeiten, die sich neben dem Vierzehnstundentag konsequent weiterbilden und anspruchsvolle Hobbies pflegen.

Es wird hier das Bild von Menschen geprägt, die praktisch perfekt funktionieren und die deshalb auch erfolgreich sind. So entsteht eine „unmenschliche“ Ebene, die aus Menschen „Funktionäre“ macht, denen bei Funktionsversagen der Jobverlust droht. Arbeit wird zur elementaren Plattform des Lebensvollzuges und die optimale bis maximale Funktion darin als anzustrebende, weil alleine erfolgsverheissende Rolle. Eine solche Vorstellung produziert Druck, wo er noch in keiner Weise erwähnt wird. Die Folge ist für viele die Angst, den Ansprüchen nicht (mehr) zu genügen. Verhalten und Sprache beginnen sich entsprechend zu verändern.

Offene, natürliche, nicht aufgesetzte Stimmen gibt es nur dort, wo nicht die Angst des (möglichen) Ungenügens in der übernommenen Funktion das bestimmende Element ist, sondern Respekt und Offenheit. Dort, wo engagierte und respektvolle Auseinandersetzung und Witz Platz finden, wächst die Produktivität, da geschieht Innovation. Da wird unternommen und nicht innerlich gekündigt.