Manager zwischen 40 und 50 sind häufig unzufrieden. Viele von ihnen haben den Höhepunkt ihrer Karriere erreicht und müssen erkennen, dass die berufliche Weiterentwicklung nicht oder kaum mehr so geradlinig weitergeht wie bis anhin. Was tun? Artikel Frankfurter Allgemein Zeitung:
Bild dpa-f.a.z
Der Traum von der Karriere ist eine feste Grösse in unserer Leistungsgesellschaft. Das eigene Selbstwertgefühl wird schon fast durchwegs vom beruflichen Fortkommen bestimmt. Erfolgreiche bestimmen, was wichtig ist, wohin es geht und wie es gemacht wird. Die Medien verbreiten die Geschichten dieser „Macher“ und „Bestimmer“ und zementieren damit den Wert, den diese gesellschaftlich erhalten. Dieses Muster wird dann an die nachwachsende Generation weiter gegeben, damit es die eigenen Kinder dann eben „noch besser haben, als wir es gehabt haben“.
Nur, die Realität ist nicht ganz so eindeutig. Das „Leben“ hält sich oft nicht an die vorgegebenen Prioritäten. Aussehen, Intelligenz, Herkunft tragen oft Mängel in sich, die nur mit viel Aufwand überwunden werden können. Einige schaffen es und sind dann Beispiele dafür, dass es „jede/r“ schaffen kann, wenn sie/er nur will. Und tatsächlich, wir leben in einer Gesellschaft, die Möglichkeiten bietet, wie sie noch nie vorhanden waren. Aus- und Weiterbildungen sind zu einer eigenen Industrie geworden und bieten eine Vielfalt an Möglichkeiten. Der Mensch als Lernwesen von Kindesbeinen an und möglichst bis hin zur Bahre, das eröffnet Möglichkeiten und Einkünfte.
Diese Entwicklung ist nicht nur deshalb anspruchsvoll, weil wir immer unbedingter mehr offizielle Abschlüsse brauchen, um in unseren Leben weiter zu kommen. Sie ist deshalb anspruchsvoll, weil sie den Menschen mehr und mehr funktionalisiert und jeglichen Zweifel „am Ganzen“ rigoros als Zeit- und damit als Lebensverschwendung taxiert. Die auch dem Menschen innewohnende Eigenschaft, älter zu werden, führt mit zunehmenden Jahren zu ketzerischen Fragen „am Ganzen“ und damit zu Irritationen, was die eigenen Lebensvorstellungen betrifft. Davon betroffen ist nicht nur die Beziehung zu sich selber, sondern Beziehungen grundlegend (Partnerin, Familie, Freunde, Kollegen). Es lohnt sich deshalb, von Zeit zu Zeit einen „Boxenstopp“ zu machen und sich einen Überblick zu verschaffen, wo die „Treiber“, „Hemmer“, „Förderer“ und „Verhinderer“ im eigenen Leben stecken und welche Perspektiven sich da noch auftun könnten.
Mit solchem Verhalten wird die Selbstwahrnehmung geschult und die Fähigkeit zur Distanzierung trainiert (diese taucht im Arbeitsalltag meist als blanker und verletzender Zynismus auf. Marktwärts leben heisst, sich selber und sein Umfeld immer wieder kritisch anzuschauen und dabei die Werte zu entdecken, die für einem selber und die Mitwelt förderlich sind. Wenn Zynismus dann mit der Zeit von einem weiten Humor abgelöst wird, stimmt die Richtung. Und diese muss, genau wie mit dem fachlichen Lernen für den Beruf „bis zur Bahre“ gepflegt werden.
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