Es wird nun doch schon einige Jahre immer wieder davon gesprochen, dass Mitarbeiter das wichtigste Kapital eines Unternehmens seien. Und dann wird umstrukturiert und dann werden Arbeitsplätze abgebaut. Wenn Unternehmensleitungen den Eindruck haben, Ihre Mitarbeiter würden Rhetorik und Handlung nicht miteinander in Verbindung bringen, dann täuschen sie sich gewaltig.

Der Begriff „Humankapital“ wird in der Bildungsökonomie bereits 40 Jahre verwendet und er wurde in der betriebswirtschaftlichen Diskussion nie wirklich definiert.  Man geht einfach davon aus, dass das „Humankapital“ , also die Fähigkeiten der Mitarbeiter, dem Unternehmen gehören. Dass das so nicht stimmt, ist eigentlich klar. Fähigkeiten gehören dem Mitarbeiter, er investiert diese ins Unternehmen und erhält dafür sein Gehalt.

Es gibt sie immer noch, diese Vorstellung, dass der Mitarbeiter dem Unternehmen gehört. „Wer zahlt befiehlt“ ist nach wie vor eine Binsenwahrheit, sie trifft jedoch in der Arbeitswelt immer weniger zu. Es geht um den Ausgleich einer erbrachten Leistung; der Mitarbeiter/die Mitarbeiterin sind „interne Lieferanten“ und liefern gemäss ihrer jeweiligen Kompetenz von Forschung/Entwicklung über Management bis Lagerhaltung und Betriebsunterhalt ihre Leistung ab. Das wird oft vergessen oder ganz einfach verdrängt. Man macht lieber auf Abhängigkeit und findet immer solche, die lieber abhängig als arbeitslos sind. Hier setzt ja auch das gewerkschaftliche Engagement an, das Arbeitnehmer im Kampf gegen die Unternehmer/Arbeitgeber unterstützt.

Ich denke, es ist die Zeit gekommen, die Situation neu zu beurteilen und Arbeitgeber sowie Arbeitnehmer als Teil des unternehmerischen Geschehens zu sehen. Unternehmer investieren Kapital in Arbeitsplätze, Mitarbeiter investieren ihre Fähigkeiten und beide Teile investieren in die positive Entwicklung des Unternehmens. Einseitige Entscheidungen „von oben“ und „von unten“ sollten die Ausnahme sein. Unternehmensentwicklung lebt dann vom beiderseitigen Engagement: Das heisst von unternehmerischen Mitarbeitern und nicht nur von Arbeitnehmern und von mitarbeitenden Unternehmern und nicht nur von Chefs und Vorgesetzten.

Mit der Verschiebung der Sichtweise lässt sich die Bedeutung des „Humankapitals“ für ein Unternehmer besser fassen. Es ist unabdingbare Voraussetzung für die Wertschöpfung des Unternehmens. MitarbeiterInnen investieren ins Unternehmen durch ihre Fähigkeiten und ihr Engagement, die mit Geld und mit dem respektvollen Einbezug in die Unternehmensentwicklung ausgeglichen wird.

Klassische Arbeitskämpfe um Lohnprozente sollten der Vergangenheit angehören. Es ist ein Systemwechsel, der von allen Beteiligten ein Umdenken verlangt. Es ist ein Systemwechsel, der ein riesiges Potential an Innovation in sich trägt und es ist ein Systemwechsel, der den Trägen und Eingerichteten im jetzigen System gehörig an die Nieren gehen wird. Humankapital ist der gemeinsame Nenner aller an einem Unternehmen beteiligten Personen. Der konstruktive Umgang mit Humankapital führt marktwärts. Kleine und mittlere Unternehmen sind hier den Giganten oft voraus und als Benchmark nützlich – nicht umgekehrt.