Ist Europa immer noch fähig zur Innovation?

„Nein, Die Wissenschaften und die Universitäten in Europa werden vom Staat gesteuert. Der Staat finanziert die Forschung. Wenn aber der Staat kontrolliert, was gute und was schlechte Ideen sind, dann sterben die Ideen. Die Freiheit der Ideen, welche die Forschung braucht, ist in Europa nicht mehr vorhanden. Die industrielle Revolution und die Aufklärung in Europa sind in Cafés entstanden. Ideen haben mit dem Austausch von Menschen zu tun. Die Leute reden miteinander und tauschen Ideen aus.“ (Xavier Sala i Martin, Wirtschaftsprofessor an der Coumbia University, New York.)

Wir leiden an einem grundsätzlichen Problem, am Problem, möglichst alles zu organisieren, in Strukturen zu giessen und dann die Qualität zu prüfen und zu halten. Es entstehen komplexe Gebilde mit ungeheuren Mengen von Wissen, doch es entsteht im Verhältnis zu diesen Aufwänden wenig wirkliche Neues. Nur 8 Prozent von Geschäftsideen stammen aus Forschung und Entwicklung. Facebook, Starbucks, Cirque de Soleil oder Zara stammen von Studenten und Lehrern. Die Innovation muss wieder zurück ins Café, dorthin, wo verschiedene Menschen sich ungezwungen austauschen und Ansichten kombinieren können. Was heisst das  nun für die Unternehmen? Das heisst, dass die Chefs aufhören für irgendwelche Strukturen zu stehen, sondern selber ideenreich werden und dabei gewisse Strukturen verändern oder Regeln brechen. Ideen entstehen im Austausch im unmittelbaren Kontakt ohne Leistungsbeurteilung. Sie entstehen von Menschen, die sich selber als Beitrag zum Ganzen ernstnehmen und sich entsprechend einbringen. Und sie entstehen in Organisationen, die sich so organisieren, dass Ideen überhaupt entstehen und reifen können. Es braucht Strukturen, die zulassen dass durch Versuch, Irrtum und Erfolg auf allen Stufen laufend Veränderungen möglich werden.

Ideen sind Treiber von Entwicklung und damit von Veränderung. Wo Ideen so organisiert werden, dass man sie haben muss, weil man in der entsprechenden Rolle im Unternehmen arbeitet und sonst lieber nicht, da entsteht eine reaktive Kultur, da verschwinden die Treiber und da muss dann über Leistungsdruck und Strukturanpassung so etwas wie Innovation „hergestellt“ werden. Ein hervorragendes Beispiel ist nach Sala i Martin die Firma Nokia. Nokia hat 2004 bis 2007 zehnmal mehr in die Forschung gesteckt als Apple. Die Smartphonetechnologie war dort vor dem iPhone bereits bekannt, doch die Mitarbeiter setzten sich nicht durch. „Europa hat die Nokia Krankheit.“

Und wir persönlich? Wie stark lassen wir neue Ideen zu? Was tun wir für den Austausch von Ideen. Welche Umgebungen pflegen wir? Immer dieselben Leute? Oder hie und da mal etwas ganz Anderes? Innovation gibt es nur dort, wo Grenzen überschritten werden. LebensunternehmerInnen üben das – lebenslänglich.