Focus St. Galler Tagblatt 21. Oktober 2008

„Lernen ist Beziehung“ heisst es auf der ersten Seite zum „Focus-Bund“. Ein Lehrer erklärt, was in der Schule heute nicht optimal läuft. Wenn die Zeit für die Schülerinnen und Schüler immer mehr von administrativen Aufgaben ausgefüllt wird, wenn immer mehr Stoff in die Lehrpläne gequetscht wird, dann, so steht es geschrieben, kann die Schule ihre Aufgabe nicht mehr erfüllen. Die Rückbesinnung auf die Elemente Lesen, Schreiben, Rechnen als tragende Elemente von Wissensbildung drängt sich auf.

Kommentar: Lernen ohne Beziehung gibt es nicht. Das gilt für jedes Lebensalter. Steht im Kindesalter die Beziehung zur Person, die das Wissen vermittelt, im Zentrum, so wird dieses Element später ergänzt um die Beziehung zum Thema, das mit dem gebotenen Wissen erschlossen wird. Doch auch dann bleibt die Person, welche dieses Wissen vermittelt zentral. Eine motivierte Primar- und Sekundarlehrkraft, ein motivierter Mittelschul- oder Berufsschullehrer, ein motivierter Dozent an der Hochschule, sie alle beeinflussen lernen. Und ganz am Anfang stehen die Eltern. Mit ihnen beginnt lernen. Erziehung und lernen sind dann deckungsgleich. Mit der Schule verschiebt sich der Akzent in Richtung Wissen. Immer noch bleibt der erzieherische Aspekt von lernen in den ersten Jahren wichtig. Eine Grundschule, die mit dem Lerngeschehen nicht erziehen will, verkennt die Bedingungen von Lernen.

Beziehungsloses Lernen schafft Müllhalden von Wissen und Menschen, die Mühe mit Beziehung haben. Ohne Beziehung entsteht keine Identifikation und ohne Identifikation keine Motivation. Unmotivierte Menschen lernen nicht gerne und übernehmen keine Verantwortung. Verantwortung ist ein Beziehungswort und Lernen ist ein Beziehungsgeschehen. So einfach ist das – oder?