Zitat: Die Idee mit „Climate Engineering“ das Klima technisch zu beeinflussen, ist problematisch. Der Mensch hat das Mass verloren und will Gott spielen. Fridolin Stäheli, Dozent Fachhochschule Nordwestschweiz, zitiert in focus, st. Galler Tagblatt 12. 09. 2011

marktwärts: Wie nur kommen wir immer wieder auf die Idee, dass der Mensch das Mass einmal gekannt hat? Die Geschichte des Menschen ist doch zu einem bedeutenden Teil die Erfahrung von Massüberschreitungen und der Aufarbeitung der damit verbundenen Konsequenzen. War in vergangenen Tagen die Religion ein Deutungsinstrument für Konsequenzen bei Massüberschreitungen, so sind wir heute daran, mit den Werkzeugen der Wissenschaft mehr und mehr Kriterien zu sammeln, die uns einen Massstab liefern sollen. Deutlich wird dabei zunehmend, dass sich die Komplexität extrem erhöht und unser gewonnenes Wissen von uns selber nicht mehr zu überschauen ist. Deutlich wir zunehmend auch, dass die mythische Überhöhung in anschaulichen Beispielgeschichten ein Weg ist, Sachverhalte in erfassbare Grössenordnungen zu giessen, um handlungsfähig zu bleiben. Der Mensch, der Gott spielt ist so alt, wie die Idee dieses Gottes. Wir haben gar keine andere Wahl als Grenzen zu überschreiten. Was wir jedoch mit diesen Erfahrungen machen, ist der entscheidende Punkt. Und genau hier reichen wissenschaftliche Erklärungen nicht mehr aus. Auch der „aufgeklärte“ Mensch braucht Inhalte, die er konkret mit seinem Lebensvollzug verbinden kann. Wenn Katastrophen wie „Fukushima“ nach ein paar Monaten einfach vergessen werden, zeigt sich, dass wir noch sehr weit von einem Massstab entfernt sind, der uns zeigen soll, was für die Menschheit richtig ist und was nicht.