„Viele Menschen meinen im Geschäftsleben, dass sich Misstrauen grundsätzlich auszahle. Oft sprechen sie von Vertrauen, aber verhalten sich misstrauisch.“ Christian Belz, Ordinarius für Marketing an der Universität St. Gallen, Sonderausgabe in Zusammenarbeit  mit Swiss Marketing,  Seite 125, Buch: „Stark im Vertrieb“, Schäfer-Poeschel Verlag Stuttgart, 2013

Im Kapitel 10 „Von Spitzenverkäufern lernen“, Unterkapitel „Persönliche Geschäftsbeziehungen“, schiebt Christian Belz einen Exkurs unter dem Titel „Das Prinzip des Misstrauens“ ein. Was dort auf eineinhalb Seiten zum Thema ausgeführt wird, ist absolut lesens- und bedenkenswert. Als Selbständiger, der in den vergangenen zwanzig Jahren mehr als einmal erlebt hat, wie man ihn „über den Tisch zieht“, ist es nicht ganz einfach, Vertrauen als Grundlage von Geschäftsbeziehungen zu praktizieren. Meine Erfahrung zeigt, dass es tatsächlich Unternehmer gibt, die Misstrauen zur Grundlage jeglicher geschäftlichen Verbindung machen.

Permanent wird darauf hingewiesen, dass es noch andere Anbieter gebe, die günstiger liefern, permanent wird hinterfragt, ob eine Leistung so „teuer“ sein muss, bis hin zur Kritik bei der Rechnungsstellung, auch wenn innerhalb eines vereinbarten Budgets geliefert wird. In diesem Umfeld entstehen Sprüche wie „Business ist hart!“ oder „Nur der Härteste gewinnt!“ Geschäftspartner sind grundsätzlich „Abzocker“, die sich auf Kosten des Auftraggebers bereichern wollen. Im Bereich von Kleinstunternehmen, wie marktwärts eines ist, werden diese Spiele von KMU und von Managern von grossen Firmen sehr häufig gespielt. Es entsteht der Eindruck, dass ein erfolgreicher Unternehmer jemand ist, der möglichst die Preise tief halten kann. Funktioniert das nicht, wechselt man unbesehen den Lieferanten und spielt dasselbe Spiel weiter.

 „Anstand ist eine Haltung, unanständig zu sein ist aufwendig und unprofessionell.“, schreibt Christian Belz. Er trifft damit einen Punkt, den die Wirtschaft auf keinen Fall aus den Augen verlieren darf, wenn sie als Teil der Gesellschaft ihren guten Ruf bewahren will. In Zeiten von „Abzockerinitiative“, „Aktionärsmitbestimmungen“, „Bankenkrise“ usw. muss wieder einmal darauf geachtet werden, das Mitarbeiter auch Konsumenten und Kunden sind und/oder Beziehungen zu anderen Konsumenten und Kunden haben.

Hartes Business sollte „hart“ sein, weil man Anstand und respektvollen Stil aktiv umsetzt – auch wenn das nicht immer einfach ist – weil das Gegenüber von solchen Dingen offensichtlich nichts weiss. „Leider gewinnt eher Misstrauen an Boden.“, zieht Belz ein Fazit am Ende des Abschnittes zu „Spielregeln des Vertrauens“, wo er recht hat, hat er recht. Der kurze Schlussabsatz, wo es um die Balance zwischen Vertrauen und Misstrauen geht ist eien Einladung, die eigene Weltanschauung zu hinterfragen und dem „kleinen oder grossen Arschloch“ in sich selber mal wieder die Meinung zu sagen. Mit Anstand und Stil natürlich! Ich empfehle das Buch nicht nur –  jedoch besonders – wegen der eineinhalb Seiten über Vertrauen zur Lektüre.