«Von frühester Kindheit an lernen wir, Probleme in ihre Einzelteile zu zerlegen und die Welt zu fragmentieren. Dadurch werden komplexe Aufgaben und Themen scheinbar handhabbarer. Wir zahlen jedoch einen versteckten, ungeheuer hohen Preis dafür. Wir sind nicht mehr in der Lage, die Konsequenzen unseres Handelns zu erkennen; wir verlieren die innere Verbindung zu einem umfassenderen Ganzen.» Peter M. Senge, Die fünfte Disziplin

Die Sätze von Peter M. Senge, formuliert Ende der achtziger Jahre, wirken schon beinahe profetisch. Wir leben in einer Zeit, wo das Finanzsystem innerhalb einer Generation mehr als einmal demonstriert hat, dass seine Komplexität kaum mehr zu kontrollieren ist. Was gegenwärtig unter dem Stichwort „Eurokrise“ abläuft, ist lediglich eine Folge der Verwerfungen im Finanzbereich. Die Krise wird auch an politischen Themenfeldern wie dem Gesundheitswesen deutlich, wo es trotz (oder wegen?) der jahrelangen Vorarbeit nicht mehr möglich war, die Alternative zum bestehenden System glaubwürdig und mehrheitsfähig zu kommunizieren (Managed Care).

Unsere Welt ist komplex geworden und Experten überzeugen kaum mehr mit abschliessend klärenden Aussagen. Die Unabwägbarkeiten scheinen überhand zu nehmen. Dass damit die Unsicherheit wächst und das Vertrauen in Institutionen sinkt, erscheint als logische Folge. Dabei erklären wir uns seit Jahren wirtschaftlich als „Lösungsgesellschaft“. Es zeigte sich jedoch in den vergangenen Jahren, dass unser „gelöstes“ Lebensniveau Herausforderungen produziert, die nicht einfach mit dem nächsten Upgrade gelöst werden können. Märkte als reiner Warenbeschaffungsort für Konsumenten werden immer fragwürdiger, weil grössere Mengen alleine das Leben nicht mehr verbessern.

Was heisst das für zukünftige Marktausrichtungen? Engagierte Verbindlichkeiten, Unternehmenskulturen über reines Umsatzdenken hinaus. Ansprechpartner, wo Mitdenken spürbar wird und nicht nur Joberledigung. Das sind keine neuen Werte, das sind alte Verkäuferüberzeugungen, wie sie schon in den sechziger Jahren von den damaligen „Starverkäufern“ proklamiert wurden. Kein System kann langfristig Sicherheit erzeugen, jedoch Menschen, die bereit sind zuzuhören und nicht sofort mit fertigen Lösungen aufwarten, sondern nachfragen und genauer wissen wollen „wo der Schuh drückt“. Solche Menschen, ob Führungskräfte oder Mitarbeiter, erzeugen ein Klima der Verbindlichkeit, des Engagements und damit des Zutrauens. In Zeiten, wo Mitarbeiternachwuchs rarer wird, liegen hier für jedes Unternehmen Chancen, das Betriebsergebnis im positiven Bereich zu halten.