Unter dem Titel „Die Mär vom Gründer im Glück – Gründungsentscheidung und subjektive Lebenszufriedenheit“ untersuchen Karsten Kohn und Katrin Ullrich die facettenreichen Auswirkungen von Unternehmensgründungen und der Wahl der Selbständigkeit. Selbständig, unabhängig, erfolgreich! Dieser Mythos, in leicht lesbaren Artikeln und Ratgeberbüchern oftmals als der einzige wahre und richtige Weg beschrieben, bleibt ein Mythos. Der Traum vom schnellen Geld und Erfolg ist oft rascher zu Ende, als man sich das gedacht hat.
Welches sind den die Gründe, die Menschen zur Entscheidung bringen, selbständig zu werden? Die Gründe hinter dieser Entscheidung sind neben der persönlichen Qualität entscheidend für den Verlauf der Richtung, den der Weg in die Selbständigkeit nimmt. Eines machen die Verfasser ihrer Studie schnell und kurz deutlich: Selbständige sind nicht per se glücklicher als ihre angestellten Altersgenossen. Dazu gibt es bereits eine rechte Anzahl Studien, die je nach Fragestellung zu gegenteiligen Resultaten gelangen.
Die Wahl der Selbständigkeit ist mit grundlegenden Veränderungen in der Lebensführung verbunden. Einkommen erfolgt nur noch, wenn verrechenbare Aufträge da sind. Aufträge sind nur da, wenn entsprechende Kontakte bestehen und damit das Vertrauen, dass ein Auftrag auch wunschgemäss ausgeführt werden kann. Ist das nicht möglich, wird der Auftrag vorzeitig beendet oder kommt gar nicht zustande. Das heisst weniger oder gar kein Einkommen. Deutlich wird, dass Zufriedenheit nicht alleine mit Einkommen gekoppelt ist, sondern die konkrete Arbeit an und für sich einen grossen Einfluss auf die Zufriedenheit hat. Das gilt auch für unselbständiges Arbeiten und wird oft zu wenig beachtet. GründerInnen nehmen in Kauf, dass sie weniger verdienen und mehr arbeiten müssen als in unselbständiger Arbeitsstellung. Weil sie jedoch das, was sie gerne tun zum Zentrum ihres Einsatzes gemacht haben, nehmen sie das in Kauf. Die Motivation ist daher in der Anfangsphase sehr hoch, sie flacht jedoch im Lauf der Zeit ab und kann in Unzufriedenheit umschlagen, wenn sich Routine einstellt und sich gewisse Vorstellungen nicht erfüllt haben.
Grosse Unzufriedenheit macht sich breit, wenn die Selbständigkeit früh scheitert und der Weg zurück in die unselbständige Tätigkeit führt. Ein Grossteil der Neugründungen übersteht die ersten 3 bis 5 Jahre nicht. Die Enttäuschung geht dann tief, die Unzufriedenheit kann grundlegend werden (Versagergefühle).
Die Wahl der Selbständigkeit setzt eine Unzahl von Überlegungen zu Möglichkeiten und Risiken voraus. Die Lektüre von entsprechender Literatur (Bsp. Beobachter Verlag, http://www.beobachter.ch/buchshop/arbeit/) oder die Kontaktaufnahme mit Organisationen wie dem IfJ (Institut für Jungunternehmer St. Gallen http://www.ifj.ch/ oder startups http://www.startups.ch/ sind zu empfehlen.
Ein sehr eindrücklicher Beitrag. Und doch, die persönliche Freiheit ist – zumindest für mich – eines der höchsten Güter. Ich möchte sie nicht mehr missen.
Selbständigkeit wird oft mit Freiheit gleichgesetzt und ist doch ganz extrem mit Einschränkungen verbunden. Eigentlich mit mehr Einschränkungen als das Leben im Angestelltenverhältnis. er Kern der Freiheit ist wohl: Ich mache das, was ich will und gerne tue. Das funktioniert eigentlich auch im Angestelltenverhältnis – warum gibt es dort dieses Gefühl scheinbar weniger?