Wir sind gefordert

Nun ist der Corona Virus auch bei uns angekommen. Wir sind uns gewöhnt, dass Bedrohungen nicht bei uns stattfinden, sondern weit weg. Natürlich haben wir schon davon gehört, dass es auch bei uns immer mal wieder tödliche Auseinandersetzungen im grösseren Masse gegeben hat. Doch das ist lange her und wenn nicht, dann betraf es meistens Tiere.

Wir können uns ärgern oder ängstigen und wir können uns vor Augen führen, dass das System „Erde“ nach wie vor über Möglichkeiten verfügt, die auch für unsere Spezies bedrohlich sind. Neben dem gegenwärtig viel erwähnten Thema Klimawandel, wo CO2-Verbrauch und Energieverhalten in’s Zentrum rückten, kommen mehr und mehr auch Erscheinungen an die Oberfläche, die wir eigentlich mal als „besiegt“ deklariert haben. Also zumindest bei uns galten diese kleinen Dinger wie Viren für viele Laien so ziemlich als ausgerottet.

Virenartiges Verhalten war höchstens noch bei uns selber auszumachen. Ungehemmte Ausbreitung und damit verbunden, die Zerstörung vorhandener Lebensräume. Was hat das Ganze mit einer Weltanschauung zu tun, die sich als marktwärts versteht und damit nicht einfach nur ökonomische Bedingungen adressiert, sondern die Lebensgestaltung generell. Bei marktwärts geht es doch um unternehmerische Lebensgestaltung, was soll das denn in dieser Situation bringen?

Unternehmer nach marktwärts erobern und besetzen nicht einfach Märkte. Sie machen sich dabei auch Gedanken darüber, wie diese Märkte funktionieren und welches Verhalten in den jeweiligen Umfeldern für alle Beteiligten am nützlichsten ist. Da bei marktwärts alles Markt ist, also Austauschgeschehen, wird jeder Eingriff in Systeme seine Folgen haben und „etwas mit uns machen“ während wir meinen, wir seien „die Macher“.

Gutes Unternehmertum erkennt und anerkennt Bedingungen und richtet sich entsprechend ein. Natürlich ist man da auf Erfahrungen angewiesen, um getroffene Entscheidungen zu revidieren. Doch das sollte dann entschieden und intelligent geschehen und nicht in alter Eroberungsmanier mit der Steigerung der zuerst gewählten Vorgehensweise. Wir Menschen untereinander haben scheinbar da mit den Mitteln der Druckerhöhung immer wieder Erfolg gehabt. Beim genaueren Hinschauen werden diese Erfolge jedoch sehr fragwürdig.

marktwärts leben heisst heute: sich gut überlegen, was die Folgen eines Vorgehens sind. Scheitern einkalkulieren und einen Plan B oder gar C auf Lager haben, der sich wirklich von Plan A unterscheidet. Sich selber relativieren und andere Denk- und Handlungsansätze respektieren. Und vielleicht auf etwas verzichten, weil der Impact nicht zu kontrollieren ist.

Viren sind nicht böse. Viren sind Viren. Bakterien sind Bakterien. Es sind Lebenssysteme die nur unter bestimmten Bedingungen zur Gefahr werden. Unter Umständen machen sie uns lebensfähiger, weil auch unser Körper als komplexes System mit diesen Systemen umzugehen lernen muss. Wir haben diesbezüglich viel erreicht. Doch wir haben unterschätzt, dass „das Leben“ scheinbar an und für sich lernfähig ist – und nicht nur wir als sogenannte „Krone der Schöpfung“. Wie wird es im Film „Krieg der Welten“ mit Tom Cruise dramatisch erzählt: Die Aliens haben lange gewartet und dann kamen sie. Sie wurden nicht von den Menschen besiegt, sie scheiterten an den ganz kleinen Bakterien und Viren. Ein „Happy-End“ und gleichzeitig eine Parabel für uns, nicht zu vergessen, dass wir nur Teil des Ganzen sind. Unser Verhalten hat Folgen. marktwärts leben heisst anerkennen, dass es Folgen gibt, denen wir nicht zum Vorneherein etwas entgegensetzen können. Ausrotten war gestern – marktwärts ist nicht einfach nur vorwärts, es ist unternehmerisch wach und beweglich und es akzeptiert Andersartigkeit und lernt davon. Zugegeben, schnell geschrieben. Viel Spass beim unternehmen.